Gut gefüllt war am Abend des 25. Augusts 2024 der Platz vor dem Grab von Pater Franz Reinisch direkt beim Urheiligtum in Vallendar-Schönstatt. Die Menschen haben sich versammelt, um des „Märtyrers der Gewissenstreue“ zu gedenken und auf seine Fürsprache ihre Anliegen vor Gott zu tragen. Zur Einstimmung sangen Schwester M. Tabea Platzer und Schwester M. Kinga Balázs, die die Andacht auf eindrucksvolle Weise musikalisch begleiteten, das Lied „Nimm mein Herz“ von Raphael Schadt und Abdiel Jiménez. Nach einer kurzen Begrüßung von P. Heribert Niederschlag SAC und einem Gebet, wurde ein Abschnitt aus dem „Tagebuch aus dem Gefängnis“ vorgelesen. Es enthält Gedanken von Pater Franz Reinisch, die er während seiner Gefangenschaft in Berlin-Tegel darin festhielt. Darauf folgte ein weiteres Lied der Musikerinnen mit dem Titel „Du bist mein Gott“, dessen Text P. Heinrich Hamm SAC nach Vinzenz Pallottis Tagebuch verfasste.
Die Ansprache an diesem Abend hielt Dr. Adalbert Kordas OFMConv, der sich viele Jahre als Vizepostulator im Seligsprechungsprozess für Franz Reinisch engagierte. P. Kordas erinnerte an das Lebenszeugnis dieses Märtyrers, der sich der Stimme Gottes in seinem Innern mehr verpflichtet fühlte als dem äußeren Druck durch die Nazis und vieler seiner Zeitgenossen. Franz Reinisch steht für kompromisslose Wahrhaftigkeit, die nur gelebt werden kann in einer authentischen Treue zu sich selbst. Zur Wahrhaftigkeit, die für P. Franz Reinisch ein lebendiges Bekenntnis für Christus ist, gelangen wir Christen nur über die göttlichen Tugenden des Glaubens und der Liebe.
Im Anschluss daran sangen die Musikerinnen das Reinisch-Lied „Du bist das große Zeichen“ auf Spanisch in der lebhaften Melodie von R. Bernet. Franz Reinisch hat den Text in seiner Gefängniszelle wenige Tage vor seinem Tod verfasst. Nach dem gemeinsamen Gebet um die Seligsprechung von P. Franz Reinisch erklang ein Magnifikat-Gesang nach einer Melodie von Elisabeth Neiser. Den Abschluss dieser würdigen Gedenkfeier bildeten der Abendsegen und das gemeinsam gesungene „Salve Regina“.
Am Samstag, den 20. August 2022 lud das Franz-Reinisch-Forum zum Gedenken an den 80. Tag der Hinrichtung von Pater Franz Reinisch ein. Er war der einzige katholische Priester, der den Fahneneid auf Hitler verweigerte. Für ihn war klar: Den Fahneneid leisten auf einen Verbrecher wie Hitler – niemals!
Sängerinnen und Sänger des Domchores aus Limburg unter der Leitung von Christoph Kipping eröffneten den ersten Teil der Gedenkfeier. Pater Heribert Niederschlag SAC erinnerte an das Lebenszeugnis von Franz Reinisch und zeichnete den Weg des Seligsprechungsprozesses nach.
Er dankte dem Vertreter der Diözese Trier, Herrn Weihbischof Jörg Peters, für die hervorragende Arbeit. Weihbischof Jörg Peters zitierte in seinem Grußwort den früheren innsbrucker Bischof Reinhold Stecher, der selber unter der Verfolgung der Nazis gelitten hat: „Wenn ich an P. Reinisch denke, fällt mir immer ein Granitblock in einem hochwasserführenden, rauschenden Bergbach ein, an dem die erdbraunen Fluten zerschellen. (…) Ich weiß, dass das, was er getan hat, nicht einfach von jedem Christen verlangt war. Aber weil ich weiß, wie schwer jene Tage und Bedrängnisse waren, neige ich mich in Ehrfurcht vor diesem granitenen Gewissen. Und dies umso lieber, als wir heute eher in einer Gesellschaft leben, in der Schaumgummi und Weichspüler dominieren.“
Nach dem Grußwort von Weihbischof Peters beleuchteten Reinisch-Experten aus verschiedenen Perspektiven den Entscheidungsweg von Franz Reinisch.
Pater Dr. Wojciech Kordas OFM Conv. zeichnete den schwierigen Weg Reinischs zum Priestertum nach. Ehe er ein beherztes JA zu dieser Berufung sagen konnte, musste er manchen Kampf bestehen.
Domkapitular Martin Emge stellte Reinisch als Schönstätter vor. In der Schönstatt-Bewegung fand Reinisch eine Form, die das Ideal von Vinzenz Pallotti zeitgerecht verwirklichen wollte: Das Apostolat aller Frauen und Männer. Seine letzte Entscheidung zur Verweigerung des Fahneneides fällte er in der Gnadenkappelle in Schönstatt. Hier empfing er die Kraft, den Weg zu gehen.
Pater Peter Hinsen SAC legte dann die Schwierigkeiten dar, die diese Entscheidung auch für die Gemeinschaft der Pallottiner bedeutete. In späteren Jahren gab es ein lebhaftes Ringen in der pallottinischen Gemeinschaft um die Beurteilung des Lebenszeugnisses von Franz Reinisch. Peter Hinsen erzählte, z.B. wie ein Mitbruder, der Reinisch selbst gekannt hat, ihn zuerst sehr kritisch beurteilte, aber später zu einem Verehrer wurde. Durch die unterschiedlichen Vorträge wurde das Leben von Franz Reinisch für die Zuhörer lebendig. Die Beiträge des Domchores gaben den Teilnehmern immer wieder die Gelegenheit, das gerade Gehörte auf sich wirken zu lassen. Der Organist Frank Sittel leitete mit seinem einfühlsamen Orgelspiel von einem Programmpunkt zum nächsten über. Nach den beeindruckenden Vorträgen gab es einen intensiven Austausch aller bei Kaffee und Kuchen.
Um 17:00 Uhr stand Weihbischof Jörg Peters der Gedenkfeier am Grab von Franz Reinisch vor, die als Vesper gestaltet war. Musikalisch wurde sie von Sr. Tabea, Sr. Dorte und Sr. Christina-Maria gestaltet, die mit ihrem Gesang der Vesper einen wunderbar feierlichen Rahmen gegeben haben. Pater Niederschlag erinnerte in einer kurzen Ansprache daran, dass Reinisch seine Entscheidung auch biblisch untermauerte. Die Begebenheit des 12-jährigen Jesus im Tempel zeigte ihm, dass der Mensch, der im Glauben erwachsen geworden ist, nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht hat, seine Entscheidungen selbständig zu treffen. Der 12-jährige Jesus blieb im Tempel, ohne die Eltern zu informieren. Als sie ihn fanden antwortete er nicht mit einer Entschuldigung, sondern mit dem Hinweis: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“ Der Ruf des Vaters kann zu heftigen Konflikten selbst mit denen führen, die ganz nahe sind.
Im „Konzert der Stille“ fand der Reinisch-Gedenktag einen beeindruckenden Abschluss. Zu Beginn der Veranstaltung bat Pater Niederschlag auf den Applaus am Ende zu verzichten, um dem Zeugnis von Franz Reinisch den notwendigen Raum zu lassen. In einer dialogischen Form wurde der Lebens- und Entscheidungsweg von Franz Reinisch nachgezeichnet. In dem Dialog, der von der früheren Mitarbeiterin im Reinisch-Forum, Angela Marlier, geschrieben wurde, fragte die ehemalige Freundin von Franz Reinisch nach den Beweggründen seiner Entscheidung. Die Rolle der Ludowika Linhard wurde von der Journalistin Katrin Wolf gesprochen, die sie in beeindruckender Weise ausfüllte. Pater Heribert Niederschlag SAC lieh seinem Mitbruder Franz Reinisch die Stimme. Musikalisch wurde diese Art der Lebensbeschreibung mitgestaltet von Frater Gregor Brandt OCist, Organist in der Abtei Marienstatt. Er verstand mit seinem Orgelspiel die verschiedenen Episoden des Lebens von Reinisch zu intonieren und so tieferen Ausdruck zu verleihen. Als die drei Akteure am Ende des Stückes in Stille die Kirche verließen, waren die ca. 100 Teilnehmer sehr beeindruckt. Viele verweilten noch in Stille in der Kirche. Ein zufällig anwesender Pallottiner-Missionar aus Brasilien, zeigte sich ergriffen und bewegt mit der Bemerkung: „Solche Tage wie der heutige sind besonders auch für die Kirche in Deutschland Mahnung und Hoffnung zugleich!“
Das Reinisch-Forum bedankt sich bei allen, die geholfen haben, diesen Tag so würdig, feierlich und beeindruckend zu gestalten. Das Mittun aller zeigt, dass das Zeugnis von Reinisch die Menschen bewegt.
Vallendar, 19.08.2018. Der 21. August hat eine besondere Bedeutung für die Gemeinschaft der Pallottiner: an jenem Tag vor nunmehr 76 Jahren wurde ein Mitbruder von den Nazis hingerichtet. Pater Franz Reinisch hatte den Fahneneid auf Hitler verweigert. Er war der einzige katholische Priester, der diesen Schritt wagte. Sein Gewissen verbat ihm die Eidleistung unter diesem Regime und auf dessen „Führer“. „Man würde ja einem Verbrecher einen Eid geben“, hatte er bereits 1939 voller Überzeugung geäußert. Seine Entscheidung kostete ihn den Kopf und brachte ihm gleichzeitig den Respekt vieler Menschen. Am 28. Mai 2013 wurde in Trier der Seligsprechungsprozess für P. Franz Reinisch offiziell eröffnet. Seine spirituelle Heimat hatte er bereits in jungen Priesterjahren in Vallendar-Schönstatt gefunden. Noch ist der Prozess auf Diözesanebene nicht beendet. Anlässlich seines Todestages beten deswegen jedes Jahr „Reinisch-Freunde“ aus Deutschland, Österreich, Italien und Lateinamerika für seine baldige Seligsprechung.
Andacht in der Pallottikirche
Zwei Tage vor Pater Franz Reinischs 76. Todestag trafen sich rund 60 „Reinisch-Freunde“ aus Deutschland und Österreich zu einer Andacht am späten Sonntagnachmittag in der Pallottikirche in Vallendar-Schönstatt.
Der Postulator des Seligsprechungsprozesses für den Pallottiner, Pater Dr. Heribert Niederschlag SAC, erinnerte zunächst an die Priesterweihe von P. Franz Reinisch vor 90 Jahren in Innsbruck, außerdem an die Hinrichtung seines Landsmannes und Namensvetters Franz Jägerstätter vor 75 Jahren. Beide waren im Gefängnis in Berlin-Tegel inhaftiert und beide wurden unter demselben Fallbeil enthauptet. Der Landwirt Jägerstätter starb ein Jahr nach Reinischs Hinrichtung. Im Zuchthaus hörte er von der Gewissensentscheidung des Pallottiners und reagierte spontan mit dem Ausruf: „Wenn ein Priester den Wehrdienst in Hitlers Armee verweigert, kann meine Entscheidung nicht falsch sein.“ Franz Jägerstätter wurde bereits im Jahr 2007 seliggesprochen.
Einblicke in die seelische Zerrissenheit Reinischs vor seiner Hinrichtung gaben im weiteren Verlauf der Andacht Auszüge aus seinem Tagebuch, die der Innsbrucker “Reinisch-Freund” Gotffried Rießlegger vortrug. Das Warten auf den Tod ist für den Pallottiner zermürbend. Zweifel kommen in ihm auf. Dazu belasten den 39-jährigen in seiner Gefängniszelle Suizidgedanken. Er sucht Wege, der Situation zu entkommen. Eine Überlegung, die er in seinem Tagebuch notiert:
„Zwinge durch einen fingierten Überfall einen Beamten zum Schießen. Dann ist alles überstanden.“ Doch mit der Zeit wird er ruhiger. Er schreibt am 4. Juli 1942: „Vollkommene Liebe verdrängt die Furcht! Denn Gott ist die Liebe und lässt sich an Großmut nicht übertreffen. Er schickt so viel Leid, als man fähig ist, im Augenblick zu meistern. Dadurch wächst der Glaube, die Geduld und der Mut, noch größere Aufgaben anzunehmen und zu erfüllen.“
Immer besser gelingt es dem Priester, seine Haftzeit als Lernprozess zu erleben und die Angst in Gelassenheit zu verwandeln. Der Abbruch aller irdischen Brücken habe ihm eine „Losgeschältheit vom eigenen Ich“ geschenkt und die Furcht besiegt, notiert er. „Und so reifte die Liebe immer mehr zur Kraft aus“, wie er resümiert.
Stimmungsvoll begleitet wurde die emotionale Andacht durch die musikalische Gestaltung der Sängerinnen und Sänger des AD HOC Ensembles Limburg unter der Leitung des Organisten Frank Sittel. Es erklangen u.a. Chorsätze zu „Ich bin getauft auf deinen Namen“ und „Gegrüßet seist du, Königin“ von Ensemble-Leiter und Organist Frank Sittel. Zudem die Chormotette von Giovanni Pierluigi da Palestrina zu dem Stück „Sicut cervus“.
Zum Abschluss der Gedenkandacht versammelten sich die Anwesenden zum stillen Gebet am Grab von Pater Franz Reinisch neben der Gnadenkapelle, die für den Pallottiner bis zu seinem Tod „Seelenort“ war.
Vesper in der Kirche der Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTHV)
Rund 70 Gäste trafen sich am Sonntagnachmittag, dem 20. August 2017, in der Kirche der Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTHV) zu einer feierlichen Vesper in Gedenken an den 75. Todestag des Pallottiners Pater Franz Reinisch. Der Postulator des Seligsprechungsprozesses für P. Franz Reinisch, P. Dr. Heribert Niederschlag SAC, begrüßte auch in diesem Jahr wieder „Reinisch-Freunde“ aus Deutschland, Österreich, Italien, Brasilien und Afrika.
Sänger des ad hoc Ensembles Limburg gestalteten das christliche Abendgebet musikalisch mit. Es erklangen Liedsätze und Motetten von Ensemble-Leiter und Organist Frank Sittel, der auch für die Vertonung für das ebenfalls gesungene „Vater unser“, aus dem Hebräischen neu übersetzt von Dr. Peter Jentzmik, verantwortlich zeichnet.
Filmdokumentation „Pater Franz Reinisch“ und Abendsegen am Grab
Im Anschluss an die feierliche Vesper nutzten viele der Teilnehmer die Möglichkeit, den im Frühsommer 2016 fertiggestellten Dokumentarfilm „Pater Franz Reinisch“ gemeinsam im „Franz-Reinisch-Hörsaal“ der Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTHV) anzuschauen. Der Dokumentarfilm von Angela Marlier in Zusammenarbeit mit Pascal Nachtsheim und Sonja Gembus beleuchtet das Leben dieses außergewöhnlichen Menschen Franz Reinisch, dem ein tiefer Glaube, Mut, Geradlinigkeit und ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn bereits in die Wiege gelegt wurden. Starke Eigenschaften, die seinen Lebensweg bis zur Hinrichtung durch die Nazis unter einem Fallbeil in Brandenburg-Görden im August 1942 deutlich beeinflussten und seinen beispiellosen „prophetischen Protest“ (Heribert Niederschlag) untermauerten.
Der Film „Pater Franz Reinisch“ ist bereits im vergangenen Jahr auf DVD erschienen und kann im „Franz Reinisch Forum“ der Pallottiner an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar bestellt werden.
Mit dem „Sterbelied“ von P. Franz Reinisch, das er am 9. August 1942 in seiner Gefängniszelle schrieb, und Dietrich Bonhoeffers musikalischem Vermächtnis „Von guten Mächten“ in der Version von Kurt Grahl, setzte das AD HOC Ensemble Limburg den musikalischen Schlusspunkt des Tages. Die Gedenkfeier anlässlich des 75. Todestages von P. Franz Reinisch endete mit einem Gebet und dem Erteilen des Abendsegens durch den Provinzial der Schönstattpatres, P. Theo Breitinger ISch, in der Gnadenkapelle in Schönstatt.
Vallendar, 22.08.2016. Vor 74 Jahren wurde der Pallottinerpater Franz Reinisch in Brandenburg-Görden von den Nationalsozialisten hingerichtet. Auf das Schafott brachte ihn sein Gewissen, das ihm verbat, den Fahneneid auf Hitler zu leisten. Unter den katholischen Priestern im sogenannten „Deutschen Reich“ war er der einzige, der diesen schicksalsentscheidenden Schritt wagte. Viele Gläubige nennen ihn heute „Märtyrer des Gewissens“, obwohl er diesen Status offiziell noch nicht zuerkannt bekommen hat. Der Weg dazu ist jedoch geebnet: am 28. Mai 2013 wurde in Trier der Seligsprechungsprozess für P. Franz Reinisch offiziell eröffnet.
Statio an seinem Grab
Am Samstagabend, den 22. August 2016, kamen rund 50 Gläubige an P. Reinischs Grab unmittelbar neben dem Urheiligtum in Vallendar-Schönstatt zusammen, um dem mutigen Pallottinerpater zu gedenken und für seine baldige Seligsprechung zu beten. Der Vize-Postulator des Seligsprechungsprozesses für P. Franz Reinisch, P. Dr. Adalbert Kordas ofmConv., begrüßte neben „Reinisch-Freunden“ aus Deutschland, Österreich und Belgien, auch einige Verwandte des Tiroler Priesters. Reinischs Großneffe Norbert betonte in einer kurzen Ansprache, dass die Entscheidung Franz Reinischs, sich dem Nazi-Regime zu widersetzen, heute von der jungen Generation als Heldentat angesehen werden solle. Mit dem eigenen Leben zu bezahlen und seine Seele nicht zu verkaufen, um mit reinem Gewissen seinem Schöpfer entgegen treten zu können, scheine heute unvorstellbar zu sein. Mit seiner Seligsprechung werde Pater Franz Reinisch auch für kommende Generationen nicht in Vergessenheit geraten.
Gottfried Rießlegger vom „Freundeskreis für Pater Franz Reinisch“ aus dem österreichischen Innsbruck ergänzte die bewegende Statio mit einem Auszug aus einer Predigt des Gefängnisseelsorgers von P. Franz Reinisch, Pfarrer Heinrich Kreutzberg. Dieser hatte anlässlich der Heimholung der Urne mit den Überresten von P. Reinisch aus Brandenburg-Görden über den Umweg Berlin nach Vallendar-Schönstatt am 1. Mai 1946 gesprochen. In seiner Rede schilderte Kreutzberg damals bereits den ungewöhnlichen Lebensweg des Pallottinerpriesters, den er während dessen Haft in Berlin-Tegel betreute hatte.
“Man steht nicht allein!” Mit dieser Aussage habe Pater Franz Reinisch sagen wollen, dass wer sich für Gott und sein Reich entscheidet, in die Gemeinschaft der Kirche Jesu Christi eingebettet ist., so P. Adalbert Kordas in seiner Ansprache. “Das Anliegen von Pater Franz Reinisch war, dass wir gemeinsam Kirche seien. Somit antwortet er mit seinem Glaubenszeugnis bereits vor 74 Jahren auf die gegenwärtige Sorge der deutschen Bischöfe, die uns dazu im August vergangenen Jahres ihren geistigen Impuls in ihrem Schreiben ‘Gemeinsam Kirche sein’ gegeben haben. Kirche und Gemeinschaft, Heiligkeit und Gnade, Berufung und Sendung, Taufe und Priesterweihe. Pater Franz Reinisch bietet uns bis heute eine Fülle von entscheidenden Überlegungen, die uns auf dem Weg, gemeinsam Kirche sein, begleiten können.”
Mit dem Abendsegen endete die Gedenkfeier für P. Franz Reinisch. Musikalisch umrahmt wurde die Statio von Sr. M. Mariengund (Keyboard), Sr. M. Catherine und Sr. M. Mara (beide Gitarre).
Gedenkgottesdienst in der Hochschulkirche
Gedacht wurde P. Franz Reinisch auch an seinem Todestag, dem 21. August, in einem Gottesdienst in der Kirche der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar. In seiner Predigt beschrieb P. Theo Breitinger, Provinzial der Schönstattpatres, die Eigenschaften einer „faszinierenden Persönlichkeit“. Diese zeichne aus, dass sie etwas Herausragendes, Außergewöhnliches vollbracht und ihr Leben auf beeindruckende Weise bewältigt habe. Ein Mensch mit dem Mut, gegen den Strom zu schwimmen und kompromisslos, geradlinig und treu seinen Weg zu gehen und seinem Gewissen zu folgen. Ein starker Charakter, der sich nicht einschüchtern lasse und furchtlos einem übermächtigen Gegner gegenübertrete. P. Franz Reinisch erfülle all diese Eigenschaften. Mit ihm sei man zu seinen Lebzeiten einem Mann begegnet, der klar und fest, geradezu unbeugsam, geprägt durch seine Heimat Tirol, durch seine Eltern und den Glauben an Christus und Maria, seinem Gewissen folgte. P. Reinisch habe die Stimme Gottes in seinem Inneren gehört und befolgt. Und das sei eine Umschreibung für “Heiligkeit”, so Breitinger.
Rund 50 Gläubige nahmen an dem Gedenkgottesdienst für P. Franz Reinisch in der Hochschulkirche teil, der von Mitgliedern des Chores „Cantabile“ unter der Leitung von Jürgen Fassbender, Sängerinnen und Sängern des Limburger Domchors und Frank Sittel an der Orgel musikalisch gestaltet wurde.
Zum Todestag von Pater Franz Reinisch kamen am 21. August 2015 rund 60 Gläubige an sein Grab unmittelbar neben dem Urheiligtum in Vallendar-Schönstatt, um dem mutigen Pallottinerpater zu gedenken und für seine baldige Seligsprechung zu beten.
„Pater Franz Reinisch – Narr um Christi willen, Märtyrer oder Spinner?“ Vize-Postulator P. Adalbert Kordas ofm hatte für seine Ansprache zu diesem Anlass einen durchaus provokanten Titel gewählt, der jedoch die bereits auf Reinischs Entscheidungsweg entbrannte Kontroverse um den willensstarken Priester auf den Punkt brachte. Die Oberen seiner Gemeinschaft versuchten den Pallottiner dazu zu bewegen, sein Vorgehen zu überdenken. Zum einen, um sein Leben zu retten. Zum anderen aber auch, um die eigene Ordensgemeinschaft vor scharfen Konsequenzen zu bewahren. Reinischs Gewissensentscheidung drohte den Fokus des Naziregimes auf die Pallottiner zu lenken. Katholische Priester sahen sich im Dritten Reich permanenter Observation und Verfolgung ausgesetzt.
Auszüge aus der Reinisch-Biografie des ehemaligen Berliner Gefängnis-Seelsorgers Heinrich Kreutzberg, die die letzten Minuten des Priesters vor der Hinrichtung schildern, verdeutlichten noch einmal die Tragweite der Gewissensentscheidung des österreichischen Pallottinerpaters, der seine spirituellen Wurzeln in Vallendar-Schönstatt gefunden hatte und aus seinem tiefen Glauben noch im Hinrichtungsraum Kraft zog: „… Jetzt steht P. Reinisch unmittelbar vor der Türe. Immer noch hat er sein Leben in der Hand (…) Was er noch wenige Tage zuvor erklärte, das gilt auch jetzt noch: „Ich brauche nur Ja zu sagen zum Fahneneid, und sofort wäre alles anders, und doch halte ich unbeugsam daran fest, dass es der Wunsch und der Wille Gottes ist, dass ich freiwillig den Tod auf mich nehme als Gabe und Aufgabe zugleich.“ Dann ist es soweit. Der Pfarrer tritt heran! Mit welcher Liebe und Innigkeit küsst P. Reinisch noch einmal das Kreuz seines Meisters und betet still die Stoßgebete des Pfarrers mit. Die Tür wird geöffnet. Die zwei Wachtmeister führen ihn hinein. Nochmals werden die Personalien festgestellt. Mit kräftiger Stimme antwortet er auf die einzelnen Fragen mit „Ja“. Eine wunderbare Ruhe und Sicherheit erfüllt ihn. Sein Auge ruht nur noch auf dem Bild des Gekreuzigten: Der gab sein Leben für mich, ich gebe es für ihn! „Niemand hat eine größere Liebe, denn dass er sein Leben dahingibt für seine Freunde!“ (Joh. 15,13). Hohl gellt der Befehl durch den Raum: „Scharfrichter, walten Sie Ihres Amtes!“ … Der Hebel wird ausgelöst, scharf fällt das Fallbeil nieder!“ (Bericht von Heinrich Kreutzberg, „Ein Martyrer unserer Zeit“, 1952)
Der noch lebende Großneffe des hingerichteten Priesters, Norbert Reinisch, konnte selbst nicht an der Gedenkfeier teilnehmen, betonte jedoch in einem Brief an die Anwesenden: „Mein Großonkel hat mit seiner Entscheidung bewusst in Kauf genommen, sein Leben zu opfern, nur um seinem Glauben und seiner Überzeugung treu zu bleiben. In seinem Gefängnistagebuch schreibt er zu uns: „Mein Lebensopfer soll ein Hohelied werden auf die Würde des Menschen: innere Freiheit, ausreifend bis zur Freiheit der Kinder Gottes!“ Er demonstriert uns, dass selbst in der Todeszelle derjenige frei sein kann, der mit sich im Reinen ist.“
Mit dem Abendsegen im Urheiligtum endete die Gedenkfeier für P. Franz Reinisch. Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier von Sr. M. Gabriela und Sr. M. Lourdes.
Gedenkgottesdienst in der Hochschulkirche
Gedacht wurde P. Franz Reinisch auch am Sonntag in einem Gottesdienst in der Kirche der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar. „Pater Franz Reinisch – Die Liebe Christi hat ihn verzehrt!“ In seiner Predigt schilderte Vize-Postulator P. Adalbert Kordas ofm P. Reinischs leidenschaftlichen Glauben, der ihn darin bekräftigte, seinem Gewissen zu folgen und damit den sicheren Tod durch Hinrichtung in Kauf zu nehmen:
„Pater Franz Reinisch verteidigt die Menschenwürde und Religionsfreiheit. Er kämpft für das bedrohte Christentum und Vaterland. Es geht ihm um die Erhaltung des christlichen Abendlandes. Er gebraucht die „Waffen des Geistes und des Glaubens“ angesichts des Versuches, den wahren Glauben an Gott aus den Herzen der Menschen herauszureißen. Seine Entscheidung erfolgt nicht aus den ihm von den Gerichtsoffizieren vorgeworfenen Charakterzügen wie Sturheit und Stolz, Ungehorsam und Eigenwille, sondern aus einer reifen religiösen Überzeugung, dass er in der Sache Gottes seinen Mann stehen muss. Er ist in Wahrheit weder Gott noch seinen Oberen ungehorsam, wenn er den Treueid auf den Dämon-Führer ablehnt (…) Auf die Politik der Gewalt und des Mordes lässt sich Pater Franz Reinisch nicht ein. Er will nicht dem Bösen dienen.“
Rund 50 Gottesdienstbesucher nahmen an dem Gedenkgottesdienst für P. Franz Reinisch in der Hochschulkirche teil.