
Trüb und regnerisch startete der 22. August 2026 in Vallendar. Doch die Wolken lockerten auf, als der Abend und damit die Gedenkfeier zum 84. Todestag für P. Franz Reinisch näher rückten. Franz Reinisch war am 21. August 1942 in Brandenburg-Görden enthauptet worden, weil er sich geweigert hatte, dem Verbrecher Adolf Hitler den Fahneneid zu leisten.
Eröffnet wurde die Andacht von einem Ensemble des Limburger Domchores unter der Leitung von Frank Sittel mit einer Eigenkomposition über den Kreuzweg. P. Heribert Niederschlag SAC und P. Adalbert Kordas OFMConv, Postulator und Vizepostulator im Diözesanen Seligsprechungsprozess für Franz Reinisch, leiteten die Gedenkfeier. Zu Beginn trug P. Kordas das Gebet „O Herr, leite mich!“ des Hl. John Henry Newman vor, das Franz Reinisch während seiner schweren Gefängniszeit täglich betete. Im Anschluss verlas P. Kordas den Bericht von P. Schwan, der die Urne von P. Reinisch auf einer abenteuerlichen Reise von Berlin nach Vallendar-Schönstatt an ihre heutige Ruhestätte gebracht hatte.


In seiner Ansprache beleuchtete P. Niederschlag den äußeren und inneren Leidensweg von P. Franz Reinisch in den letzten Wochen seines Lebens. Die Verweigerung des Fahneneides war eine bewusste und freiwillige Entscheidung, die Franz Reinisch in der Erwartung eines baldigen Todes traf. Unter dem massiven Druck der Militärjustiz und der eigenen Gemeinschaft musste er seine Entscheidung über vier Monate in Einzelhaft durchstehen. Sein Oberer schickte ihm sogar einen Brief, in dem er ihm den Ausschluss aus der Pallottiner-Gemeinschaft androhte, sollte er bei seiner Weigerung bleiben.
Reinisch selbst hatte zudem einen schweren inneren Konflikt auszutragen: Er litt stark unter dem Vorwurf des Ungehorsams, da er in seinen Gelübden Gehorsam versprochen hatte. Gleichzeitig fühlte er sich von Gott zum Protest gegen den Eid auf einen Verbrecher berufen. Nach langem Ringen folgte er seinem Gewissen und entschied, dass der Gehorsam gegenüber Gott über dem Gehorsam gegenüber weltlichen oder kirchlichen Vorgesetzten stehen müsse. Während der Haftzeit schöpfte Franz Reinisch Kraft aus der täglichen geistigen Verbundenheit mit der Schönstattkapelle, aus der Weihe an Maria und aus dem Vaterunser – insbesondere aus der Bitte „Dein Wille geschehe“. Schließlich konnte er seine Todesangst überwinden und war von einer tiefen inneren Freude erfüllt. Er ging mit der festen Gewissheit in den Tod, bald Gott und der Gottesmutter zu begegnen. Am Ende seines Abschiedsbriefes schreibt er an seine Eltern: „Es segnet euch euer dankbarer und ewig froher Franz.“

Eingerahmt wurde die Ansprache von musikalischen Beiträgen eines kleinen Ensembles unter der Leitung von Sr. M. Kinga Balázs. Gemeinsam mit allen Mitfeiernden sangen die Musiker das Lied „Du bist mein Gott“, dessen Text P. Heinrich Hamm nach Einträgen aus dem Tagebuch von Vinzenz Pallotti verfasst hatte. Es drückt eine tiefe Sehnsucht nach Gott aus, die auch P. Franz Reinisch in den letzten Wochen seines Lebens verspürte:
1. Du bist mein Gott, sollst es in allem sein! Was du nicht bist, ist Trugbild nur und Schein. Nicht Herz und Hand, nicht Willen und Verstand, nichts, was ich je gekannt: nur Gott allein.
2. Du bist mein Gott, und alles sollst du sein! Reichtum und Ruhm und Leben, sie sind dein! Nicht Aug und Mund, nicht Zeiten, Tag und Stund – du bist mein einz’ger Grund: nur Gott allein.
3. Du bist mein Gott, und nichts verlang ich mehr. Du bist der Aufbruch und die Wiederkehr. Nicht Speis und Trank, nicht Lob, nicht Lohn und Dank – nichts soll mein Eigen sein: nur Gott allein!

Es folgte ein gemeinsames Gebet um die Seligsprechung von P. Franz Reinisch. Daran anschließend erklang durch den Chor das „Gegrüßet seist du Königin“ – passend zum Festtag „Maria Königin“. In seinem Abschiedsbrief an seine Familie hatte P. Reinisch aus dem Gefängnis geschrieben: „Singt, betet ein Magnificat. … Gott ist unendlich gut.“ Dieser Aufforderung kamen nun auch die an seinem Grab Versammelten nach. Nach dem Vaterunser und dem Abendsegen klang die Gedenkfeier mit dem von Frank Sittel komponierten Abendlied „Und der Tag hat sich geneiget“ stimmungsvoll aus.
